Mit „From the Ashes“ erweitert Ubisoft Avatar: Frontiers of Pandora um ein inhaltlich wie spielmechanisch spürbar neu ausgerichtetes Kapitel. Die Erweiterung setzt weniger auf das staunende Erkunden einer exotischen Welt, sondern auf Konflikt, Verlust und Eskalation. Statt Pandora erneut als leuchtendes Naturparadies zu inszenieren, rückt der DLC eine verwüstete Region in den Mittelpunkt – und nutzt diesen Perspektivwechsel, um bekannte Systeme zu schärfen und alte Schwächen gezielter anzugehen.
Der Anspruch ist dabei klar gesetzt: „From the Ashes“ will kein reines Nachschieben von Missionen sein, sondern eine konzentrierte Weiterentwicklung. Ob das gelingt, entscheidet sich weniger an der reinen Menge an Inhalten als an Tonfall, Spielfluss und Konsequenz. Und das ist eine gute Entscheidung.

Im Zentrum der Handlung steht So’lek, ein erfahrener Na’vi-Krieger, der bereits im Hauptspiel eine Nebenrolle einnahm. Anders als der vergleichsweise unbeschriebene Held der Hauptkampagne bringt So’lek eine klare Vergangenheit, Motivation und innere Haltung mit. Seine Geschichte beginnt nach einem massiven Angriff, der Heimat und Familie auseinanderreißt und ihn in eine persönliche Konfrontation mit der RDA und dem neu eingeführten Asche-Clan zwingt.
Erzählerisch verlagert sich der Fokus damit deutlich. Wo das Hauptspiel stark auf das Kennenlernen Pandoras setzte, erzählt „From the Ashes“ eine lineare, zielgerichtete Geschichte von Vergeltung, Verantwortung und moralischen Grauzonen. Die zerstörten Landstriche des Kinglor-Waldes spiegeln diesen Ansatz visuell wie thematisch wider. Verkohlte Böden, graue Asche und industrielle Ruinen ersetzen die schillernde Biolumineszenz früherer Gebiete.

Der neue Asche-Clan fungiert dabei nicht nur als weitere feindliche Fraktion, sondern als erzählerischer Gegenpol. Feindliche Na’vi, die RDA-Technologie nutzen und ihre eigene Auslegung von Überleben verfolgen, verleihen dem Konflikt eine zusätzliche Ebene. Die Geschichte bleibt überschaubar, gewinnt aber durch ihre Fokussierung an Gewicht und Dringlichkeit.
Spielerisch baut „From the Ashes“ klar auf dem bekannten Gerüst auf. Offene Areale, Haupt- und Nebenmissionen, Ressourcenbeschaffung und Ausrüstungsverbesserungen folgen weiterhin der etablierten Ubisoft-Formel. Der entscheidende Unterschied liegt jedoch in der Einbindung einzelner Systeme und in einer zentralen Neuerung: der optionalen Third-Person-Perspektive.

Die neue Kamerasicht verändert den Spielfluss spürbar. In Gefechten sorgt sie für bessere Übersicht, klarere Lesbarkeit von Animationen und ein direkteres Gefühl für Bewegung und Positionierung. Kämpfe wirken physischer und strukturierter, insbesondere bei Auseinandersetzungen mit mehreren Gegnern oder in vertikalen Arealen. Viele Situationen profitieren davon, dass Angriffe, Ausweichmanöver und Finisher präziser wahrnehmbar sind. Die Ego-Perspektive bleibt weiterhin verfügbar, verliert im direkten Vergleich jedoch an Attraktivität.
Mit dem Asche-Clan hält zudem ein Gegnertyp Einzug, der die Kämpfe deutlich belebt. Diese Na’vi agieren schneller, aggressiver und nutzen Gelände sowie Ausrüstung effektiver als bekannte Feinde. Begegnungen verlangen mehr Bewegung, besseres Timing und häufig eine Anpassung der Taktik. Gerade hier zeigt sich, dass „From the Ashes“ weniger auf Masse als auf Intensität setzt.

Weniger überzeugend bleibt das Stealth-System. Trotz neuer Finisher und verbesserter Übersicht wirken Gegnerwahrnehmung und Alarmreaktionen weiterhin inkonsistent. Schleichpassagen kippen oft abrupt in offene Gefechte, was sie riskanter macht als den direkten Angriff. Das Spiel funktioniert insgesamt besser, wenn man den Fokus auf offensive Lösungen legt.
Das Missionsdesign schwankt ebenfalls. Neben gelungenen, klar strukturierten Einsätzen finden sich Aufgaben, die Spieler mehrfach über große Distanzen schicken oder mit Gegnerwellen überfrachten. Positiv fällt auf, dass der Grind im Vergleich zum Hauptspiel reduziert wurde und die Progression nachvollziehbarer ausfällt. Verbesserungen an Ausrüstung und Fähigkeiten fühlen sich zielgerichteter an und weniger wie reine Sammelarbeit.

Das Fliegen mit dem Ikran bleibt eines der stärksten Elemente. Freiheit, Geschwindigkeit und Inszenierung überzeugen weiterhin, werden jedoch durch teils überaggressive Raketenangriffe aus der Luft gebremst. Diese Abschnitte fordern schnelle Reaktionen, wirken aber stellenweise eher stressig als dynamisch und bremsen den Spielfluss spürbar.
Audiovisuell bleibt „From the Ashes“ auf hohem Niveau. Die verwüsteten Gebiete sind atmosphärisch dicht, die Kontraste zwischen verbrannter Landschaft und verbliebener Natur eindrucksvoll umgesetzt. Effekte wie Rauch, Feuer und Asche tragen erheblich zur Stimmung bei und unterstreichen den insgesamt düsteren Ton.
Technisch leistet sich die Erweiterung jedoch kleinere Schwächen. Vereinzelte Bugs, etwa bei Animationen oder Interface-Einblendungen, können die Immersion stören. Diese Probleme sind selten spielentscheidend, aber spürbar. Insgesamt bleibt die Performance stabil, die Präsentation überzeugend, ohne das Hauptspiel grundlegend zu übertreffen.

„From the Ashes“ ist keine Erweiterung, die „Avatar: Frontiers of Pandora“ neu erfindet. Sie ist jedoch ein deutlich fokussierterer, selbstbewussterer Schritt in die richtige Richtung. Der neue Protagonist verleiht der Geschichte Glaubwürdigkeit, der düstere Tonfall sorgt für emotionale Schwere, und die Third-Person-Perspektive verbessert das Spielgefühl nachhaltig.
Nicht alle Altlasten verschwinden. Stealth bleibt unzuverlässig, manche Missionen wirken unnötig gestreckt, und technische Unsauberkeiten trüben einzelne Momente. Dennoch gelingt es dem DLC, die Stärken des Hauptspiels klarer herauszuarbeiten und seine Schwächen zumindest teilweise abzufedern.
Für Fans des Hauptspiels ist „From the Ashes“ eine lohnende Rückkehr nach Pandora. Für Skeptiker bietet die Erweiterung einen besseren, stringenteren Eindruck davon, welches Potenzial in dieser abermals beeindruckend inszenierten Spielwelt steckt.
„From the Ashes“ ist als Erweiterung zum Hauptspiel „Avatar Frontiers of Pandora“ ab sofort über Ubisoft+, auf PlayStation 5, Xbox Series X|S und Amazon Luna sowie auf dem PC über den Ubisoft Store, den Epic Games Store und Steam verfügbar.
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