Der Jahreswechsel bringt im Streaming-Bereich keine leichte Kost. Mit Der Tiger steht ein deutscher Kriegsfilm ganz oben in den Amazon-Charts und setzt damit ein deutliches Zeichen für die anhaltende Zugkraft des Genres. Nach einem begrenzten Kinostart hat der Titel nun bei Amazon Prime Video den Sprung an die Spitze geschafft.

Für das deutsche Kino ist das auch deshalb interessant, weil hier ein Amazon-Original zuerst auf der Leinwand getestet wurde, bevor es im Streaming ein breites Publikum fand. Hinter dem Projekt steht Dennis Gansel, der bereits mit Die Welle bewiesen hat, wie wirkungsvoll deutsche Stoffe inszeniert werden können, wenn psychologische Spannung im Mittelpunkt steht. Gemeinsam mit Drehbuchautor Colin Teevan wendet sich Gansel diesmal einem historischen Szenario zu, das wenig Raum für Heldenmythen lässt.

Krieg als innerer Ausnahmezustand

Der Film spielt an der Ostfront im Jahr 1943 und folgt der Besatzung eines Tiger-Panzers, die auf eine riskante Mission weit hinter die Front geschickt wird. Statt auf große Schlachten setzt „Der Tiger“ auf Enge, Druck und permanente Bedrohung. Der Panzer wird zum abgeschlossenen Mikrokosmos, in dem Angst, Misstrauen und Schuldgefühle zunehmend die Kontrolle übernehmen.

Kälte, Gewalt und der Konsum von Methamphetamin, das im militärischen Alltag jener Zeit eine Rolle spielte, beschleunigen den Zerfall der Figuren. Der Krieg erscheint weniger als historisches Ereignis, sondern als Zustand, der Identität und Moral Stück für Stück auflöst. Der Film nähert sich dem Geschehen konsequent aus der Perspektive der Soldaten und konzentriert sich auf ihre inneren Konflikte. Fragen nach Verantwortung und Menschlichkeit stehen dabei ständig im Raum, ohne plakativ beantwortet zu werden.

Kriegsdrama mit starkem Cast

Diese Reduktion auf psychologische Prozesse erinnert an klassische Erzählungen über den Verlust von Orientierung im Ausnahmezustand und verleiht dem Stoff eine zeitlose Ebene. Die Besetzung trägt diese Herangehensweise sichtbar mit. David Schütter, Laurence Rupp und Leonard Kunz führen ein Ensemble an, das durch weitere bekannte Namen ergänzt wird, darunter Sebastian Urzendowsky, Yoran Leicher, André Hennicke und Tilman Strauss.

Mehrere Darsteller waren bereits in historischen Produktionen präsent und bringen entsprechende Erfahrung mit. In der Summe entsteht ein geschlossenes Bild, das weniger auf Einzelstars als auf Gruppendynamik setzt. Mit einer aktuellen Bewertung von 6,9 bei IMDb bewegt sich „Der Tiger“ im soliden Bereich und unterstreicht den Eindruck einer überdurchschnittlichen Produktion. Dass „Der Tiger“ nun an der Spitze der Amazon-Charts steht, passt zu einem anhaltenden Interesse an ernsthaften Kriegsdramen.