In Zeiten übervoller Smartphone-Speicher ist ein Fotobuch ein ebenso persönliches wie beliebtes Geschenk. Und doch herrscht bei vielen eine gewisse Schwellenangst gilt der Weg dahin doch als recht aufwendig. Bilder müssen gesichtet, sortiert und schließlich so arrangiert werden, dass eine stimmige Geschichte entsteht.
„Wir haben gemerkt, dass sich Menschen das Buch wünschen, aber nicht den Prozess“, bringt es Sebastian Ellguth, Head of Marketing bei Myposter, auf den Punkt. Internen Analysten zufolge dauert die Erstellung eines klassischen Fotobuchs rund 101 Minuten. „Es ist paradox“, so Ellguth weiter, „das Fotobuch ist eines der persönlichsten Geschenke überhaupt, aber in der Realität entsteht es in Hektik. Wir wollten herausfinden, wie man diesen Widerspruch mit Technologie auflösen kann.“
Die Lösung: KI! Dank eines mit künstlicher Intelligenz ausgestatteten Design-Assistenten soll das Ganze laut MyPoster künftig nur noch 25 Minuten in Anspruch nehmen. Dazu werden die hochgeladenen Bilder automatisch analysiert. Die KI erkennt Gesichter, bewertet Bildqualität, gruppiert ähnliche Motive, schlägt eine passende Seitenzahl vor und berücksichtigt sogar farbliche Harmonie. Aus all dem entsteht binnen Sekunden ein vollständiges Layout, das wirkt, als sei es von Hand gesetzt.
Das wollten wir testen und die Challenge könnte dabei kaum größer sein: Die Hochzeit des Autors dieser Zeilen! Wie bei solchen Anlässen üblich kommt da einiges aus mehreren Quellen zusammen, doch die ersten Schritte könnten kaum bequemer sein.

Auf der Seite von Fotobuch-Seite von Myposter wählen wir den Assistenten und landen direkt in einem übersichtlichen Upload-Bereich. Hier können wir die Fotos direkt von der Festplatte hochladen – klappt auch per Drag and Drop. Alternativ besteht die Möglichkeit auf Google Fotos zugreifen und per QR-Code auch auf das Smartphone. Die dergestalt hinzugefügten Bilder erscheinen kurz darauf auf der Desktop-Oberfläche. Und das sogar, ohne dass man sich zuvor anmelden müsste.
Nun stehen die Bilder zwar auch dann noch zur Verfügung, wenn man die Seite schließt und im gleichen Browser später wieder zu Myposter wechselt, ein erstelltes Projekt dauerhaft zu speichern oder plattformübergreifend daran zu arbeiten, ist jedoch nur mit einem Benutzerkonto möglich.
Künstliche Intelligenz hin oder her: Möchte man Bilder unterschiedlicher Quellen – etwa die Handybilder verschiedener Gäste – zu einem logischen Ganzen verknüpfen, sollte man vor dem Erstellen des eigentlichen Buchs die Sortierung prüfen. Zwar kann die KI optisch ähnliche Motive zusammenführen, einen zeitlichen Ablauf erkennt sie aber nicht zwangsläufig.

Statt der automatischen Sortierung lässt sich aber auch das in den Dateien vermerkte Datum zugrunde legen, die Upload-Reihenfolge oder der Dateiname. Wer sicher gehen will, legt im manuellen Modus selbst Hand an und verschiebt die Bilder per Mauszeiger an die gewünschte Position. Leider muss man dies für jedes Foto einzeln tun, denn es ist nicht möglich, mehrere Bilder gemeinsam zu verschieben.
Sind die Bilder schließlich auf dem Server versammelt – das System ist in der Lage, bis zu 1404 Bilder zu verarbeiten –, können wir uns nach einem Klick auf den „Jetzt starten“-Button zurücklehnen. Während der kurzen Wartezeit ist nur zu klären, welche Buchart am Ende geliefert werden soll. Die Optionen „Hardcover“ und „Softcover“ erlauben Seitenzahlen von 24 bis 156 Seiten. Wählen wir „Fotoheft“, sind es 16 bis 56 Seiten, das Premium-Fotobuch ermöglicht 26 bis 98 Seiten. Zur Wahl stehen überdies die Formate Hoch, Quer oder Quadrat; mit Blick auf die Papierart bietet Myposter matt oder glänzend an.
Das kompakte Fotoheft gibt es schon ab 11,99 Euro, das hochwertige Premium-Fotobuch fängt rabattiert bei 34,99 Euro an. Mit steigender Seitenzahl wird es teurer, sodass für die Premium-Variante maximal 99,99 Euro fällig werden – die Normalpreise rangieren zwischen 15,99 Euro und 124,99 Euro. Eine Geschenkbox gibt es für 9,99 Euro.

Ohne weiteres Zutun entblättert sich ein fertig layoutetes Fotobuch. Die KI hat die Bilder in unterschiedlichen Formaten angeordnet, Größen variiert und den Raum versucht, optimal zu nutzen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, lässt für unser Empfinden aber Highlights vermissen. Die Wahl des Bildes für das Cover ist treffsicher, die Gestaltung mit einem plumpen „Hochzeitsmomente“ darüber aber eher langweilig.
Hinweis: Unsere Eindrücke basieren auf einer frühen Version des Systems. Ein kurzer Check nach dem Test hat gezeigt, dass MyPoster inzwischen bereits stark nachgebessert hat. Das Ergebnis ist nun deutlich variantenreicher und setzt aufregendere Spots. Fürs Cover können bis zu acht Bilder vorausgewählt werden und sogar Textflächen werden nun berücksichtigt.
Doch dieses Arrangement ist nur ein erstes Angebot. Über eine Befehlsleiste können wir das gesamte Grundlayout in Echtzeit anpassen. Reduzieren wir die Seitenzahl, wird es gedrängter; erhöhen wir sie, steht mehr Raum für große Formate zur Verfügung.
Praktischerweise wird das Fotobuch in Doppelseiten angezeigt, die wir einzeln anwählen und bearbeiten dürfen. Über einen Reiter an der Seite ändern wir in Echtzeit Layout oder testen verschiedene Vorlagen. Für den Hintergrund bietet das System diverse Design-Vorlagen. Wer die grafischen Akzente nicht mag, kann auch einen Farbton zugrunde legen, alles unisono belassen oder eigene Bilder reinziehen.

Das Hochzeitsbuch hätte man nach dem Festlegen des Hintergrunds fast direkt in den Druck schicken können. Der Blick ins Detail offenbarte etwas Anpassungsbedarf, wenn die KI etwa breite Bilder in ein rechteckiges Format gezwängt hat oder auf Selfies nur die Hälfte der Personen zu sehen war. Insgesamt erkennt sie situative Zusammenhänge aber erstaunlich effektiv und zeigt ein gutes Auge für farbliche Kompositionen. Sogar die Farbe der Kleckse bei der Vorlage „Wasserfarben“ wird angepasst.
Sind wir dennoch nicht zufrieden, stellt uns die KI alternative Layoutvorschläge zur Verfügung. Wir dürfen Text in zehn Schriftarten hinzufügen, Bilder hinzufügen oder löschen. Jedes Foto kann in Aspekten wie Helligkeit, Kontrast und Sättigung angepasst, rotiert, gespiegelt oder gezoomt werden. Auch diverse Filter stehen bereit.
Ein wenig Anpassungszeit sollte man für Feintuning auf jeden Fall einplanen, die Zeitersparnis ist jedoch immens – jedes Bild selbst zu setzen, wäre fraglos eine Heidenarbeit gewesen.
Vor dem Warenkorb können wir aus drei Geschenkboxen wählen. Die Versandkosten lagen bei unserem 56-Seiten-Fotoheft bei 2,99 Euro, das Premium-A4-Fotobuch mit 92 Seiten kostet 5,99 Euro im Versand. Express-Versand kostet 14,99 Euro.

Inzwischen ist unser Premium-Fotobuch angekommen. Zählt man den Tag der Bestellung mit, sollte es letztlich acht Werktage dauern. Allerdings muss man bedenken, dass im Falle des Premium-Fotobuchs nicht einfach nur gedruckt wird, die Aufnahmen werden auf echtes Fotopapier belichtet, was brillante Bilder mit besonderer Tiefenwirkung sorgen soll.
Das Ergebnis spricht für sich: Die Farben der Bilder auf dem stabilen Hardcover strahlen. Die Seiten aus echtem Premium-Fotopapier gefallen ebenfalls mit einer präzisen Farbechtheit und sind fast schon reißfest. Die genaue Dicke wird zwar nicht angegeben, dürfte aber so um die 0,25 mm liegen, was deutlich über der Stärke einfachen Druckpapiers liegt.
Zum Einsatz kommt zudem die sogenannte Layflat-Bindung, dank der es möglich ist, das Fotobuch komplett flach aufzuschlagen. Da es keine mittlere Falz gibt, können großformatige Motive über zwei Seiten dargestellt werden, was natürlich einen spektakulären Effekt hat. Ob diese Form der Klebebindung auf Dauer stabil ist, muss die Zeit jedoch erst zeigen.
Negativ ist uns jedoch aufgefallen, dass ausgerechnet die Bilder auf dem Cover oben und am Außenrand um gut einen Zentimeter abgeschnitten waren. In der Dateiansicht des Projektes, welches man auf Myposter speichern kann, ist dies eindeutig nicht der Fall. Hier hätten wir uns irgendeinen Hinweis gewünscht, um nicht gleich nach dem Auspacken die erste kleine Enttäuschung zu erleben.

Das KI-Fotobuch von Myposter ist ein handfestes Beispiel dafür, wie stark sich aufwendige Prozesse durch moderne Automatisierung vereinfachen lassen. Die Möglichkeit, auf Knopfdruck große Bildmengen zu analysieren, ähnliche Motive zu gruppieren und harmonische Seitenlayouts vorzuschlagen, spart immens viel Zeit und macht ein vermeintliches Mammutprojekt zur Nachmittagsaufgabe. Zwar würden wir uns im Detail hier und da noch mehr Flexibilität oder Komfort wünschen, allerdings hört Myposter augenscheinlich auf Feedback und hat schon jetzt vieles nachgebessert.
Und so entsteht in Windeseile ein hochwertiges Fotobuch, mit starken Farben, gute Verarbeitung und hoher Papierqualität, das trotz technischer Unterstützung nicht wie ein Schnellschuss wirkt. Gerade mit Blick auf die Vorweihnachtszeit, in der vieles zusammenkommt, erweist sich der KI-Assistent als enorm hilfreiche Lösung bei der Suche nach einem persönlichen Weihnachtsgeschenk, selbst dann, wenn es zeitlich schon etwas knapp wird.
:quality(90))